Preisträger 2004 - Kategorie Kameraführung
Sandra Hacker (Autorin und Regie) und
Axel Kindermann (Kamera)
Beitrag:
Der Madendoktor
(Eine Gemeinschaftsproduktion der Filmakademie Baden-Württemberg, SWR und Schaefer Filmproduktion in Zusammenarbeit mit der Medien & Filmgesellschaft BW/Filmförderung)
gesendet:
WDR Fernsehen, Reihe „Menschen hautnah“, 13. Februar 2002, 45 Minuten
Begründung der Jury:
Wie kein anderer der eingereichten Beiträge zeichnet sich „Der Madendoktor“ dadurch aus, dass sich seine Macher mit ihrer Bildsprache konsequent und innovativ auf ihr Thema einlassen.
„Der Madendoktor“ ist der gelungene Versuch, einen außergewöhnlichen Menschen auch mit entsprechend außergewöhnlichen Mitteln zu portraitieren. Der Film von Sandra Hacker hat die Jury vor allem wegen des ausgesprochen kreativen Umgangs mit seinem Thema, dem Kölner Biologen Dr. Mark Benecke, überzeugt. Er nähert sich seiner Hauptfigur sowohl erzählerisch als auch gestalterisch auf unkonventionelle Art und Weise.
Es gelingt Sandra Hacker und Axel Kindermann mit dem Mittel des O-Ton-Films über 45 Minuten spannungsreich ein dichtes und authentisches Bild des Kölner Wissenschaftlers zu zeichnen und den interessanten Stoff zu vermitteln – die kriminaltechnische Untersuchung von Leichen anhand von Insekten. Dabei bekommt der Zuschauer einen überzeugenden Eindruck von der Obsession, mit der Benecke seinem Beruf nachgeht.
Die ideenreiche Kamera von Axel Kindermann ist stets dicht dran an der Hauptfigur, aber nie voyeuristisch. Sie beobachtet gut und detailliert, findet eine ebenso ansprechende wie ästhetische Bildsprache. Ganz besonders ist hervorzuheben, dass es Autorin und Kameramann gelungen ist, den Inhalt und die gestalterischen Mittel in einen sinnvollen Zusammenhang zu setzen. Die Effekte wirken nie beliebig oder um ihrer selbst Willen inszeniert, sondern unterstützen die inhaltliche Vermittlung oder treiben sinnvoll die Dramaturgie der Geschichte voran. Die Tatsache, dass Sandra Hacker dabei auf jeden Kommentartext verzichtet, unterstreicht die Konsequenz, mit der sie sich formal um ihr Thema bemüht.

