english version
Startseite

Preisträger 2010 - Kategorie Print

Jörg Diehl und Ralf Hoppe

Beitrag:

Der Warhol der Geldfälscher

erschienen:

DER SPIEGEL, 7. Juli 2008

Begründung der Jury:

Eine Viertelstunde bis Haftantritt – Zeit, ein Leben zu erzählen. Dicht, aber ohne Hektik. Voll mit Fakten, detailverliebt, ausgeschmückt. Jörg Diehls und Ralf Hoppes Geschichte liest sich wie ein Roman, die Personenbeschreibungen haben die Qualität eines Drehbuchs. „Klaus Holzner ist ein gemütlicher Franke, breit, rundes Gesicht.“ „Oberstaatsanwältin Petra Schumacher, eine zierliche Frau, freundlich, die Stimme heiser geraucht.“ „Hans-Jürgen Kuhl, groß, dünn, hüftsteif, die Mundwinkel nach unten gezogen.“ Nach diesen Angaben kann man leicht die Darsteller für einen Film casten.

Sprachlich teilweise brillant: „Wenn schon falsch, dann richtig!“
„Geldfälscher sind auch nur Männer“
„Abends, nach vielen Zigaretten, den stechenden Geruch von Lösungsmitteln in der Nase, steht Kuhl der Sinn nach etwas Welt.“

Köln ist die Bühne des dreisten Kriminalstücks, die Kunststadt erzeugte einst das Fälscher-Genie. Aber richtig kölsch, und noch einmal auszeichnungswürdig, wird es aus einem anderen Grund: Es gelingt eine rheinische Charakterstudie. Motto: Wir können nur genial! Ordentlich aufräumen? Wochenlang mit hoher Intensität durcharbeiten? Nein! An welchem anderen Ort der Welt nimmt sich ein Ganove während des Coups einen Krankenschein wegen Rückenleidens?

Man mag Hans-Jürgen Kuhl und seinen Kumpanen nicht wirklich böse sein, entwickelt bei der Lektüre zunehmend Mitleid für die kölschen Supergangster. Kuhl hat bekanntlich selbst sein Leben als Buch herausgebracht, die Lese-Abende während des offenen Vollzugs werden gut besucht sein. Nicht zuletzt, weil Jörg Diehl und Ralf Hoppe den erfolglosen Kriminellen zum sympathischen Romanhelden gemacht haben. Anderswo mag man das verkniffener sehen, in Köln gibt’s dafür jetzt sogar einen Preis!

PDF Download Artikel zum Download

zurück

 

gestiftet von
Rheinenergie
Kölner Jornalistenschule